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F.P. Journe und Chanel kaufen EBEL

vor 2 Stunden
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EBEL 1911 Chronograph in Stahl, mit El-Primero-Werk, um 1993. Foto: Watch-Spare
EBEL 1911 Chronograph in Stahl, mit El-Primero-Werk, um 1993. Foto: Watch-Spare

Die Movado Group hat am 7. Oktober eine verbindliche Vereinbarung über den Verkauf von 95 % von EBEL für 66,5 Millionen Dollar bekannt gegeben. Käufer ist eine Gruppe unter Führung von Montres Journe, dem Unternehmen hinter F.P. Journe, mit Beteiligung von Chanel und von Pierre Jacques, der CEO der Marke wird.


Der amerikanische Konzern behält 5 % des Kapitals. Mit der Marke gehen die Markenrechte und das übrige geistige Eigentum, die Lagerbestände und die Villa Turque, das von Le Corbusier in La Chaux-de-Fonds entworfene Haus. Der Abschluss wird in den kommenden Monaten erwartet.


Die Transaktion


EBEL Sport Classic
EBEL Sport Classic, die bekannteste Kollektion der 1911 in La Chaux-de-Fonds gegründeten Marke. © EBEL

Die in New York börsennotierte Movado Group teilte am 7. Oktober mit, sie habe eine verbindliche Vereinbarung über den Verkauf von 95 % von EBEL für 66,5 Millionen Dollar unterzeichnet. Der Betrag unterliegt den üblichen Anpassungen, und die Transaktion steht unter den üblichen Vollzugsbedingungen.


Käufer ist eine Gruppe unter Führung der Montres Journe SA, der 1999 von François-Paul Journe gegründeten Genfer Manufaktur, die unter dem Namen F.P. Journe auftritt. Beteiligt sind auch Chanel, das seit 2018 20 % an Montres Journe hält, und Pierre Jacques, früherer CEO von De Bethune, der nach Abschluss der Transaktion die Leitung von EBEL übernimmt.


Die Transaktion erfolgt in zwei Schritten. Zunächst gehen die Markenrechte und das übrige geistige Eigentum, die Lagerbestände und weitere EBEL zugeordnete Vermögenswerte auf eine neue Schweizer Tochtergesellschaft der Movado Group über, und die für die Marke tätigen Mitarbeiter werden bei dieser Gesellschaft angestellt. Beim Vollzug gehen 95 % des Kapitals der neuen Tochter an die Käufer. Die Movado Group behält 5 % und erbringt Übergangsleistungen für die neue EBEL, um Kontinuität für Kunden und Partner zu sichern.


Für Efraim Grinberg, Chairman und CEO der Movado Group, erlaubt der Verkauf dem Konzern, sich auf seine Uhren- und Schmuckmarken im erschwinglichen Luxus- und Modesegment zu konzentrieren, während EBEL Eigentümer mit Fachwissen, Engagement und langfristiger Perspektive erhält. François-Paul Journe fasste seine Haltung in einer Formel zusammen: „das Produkt, das Produkt, das Produkt“. Frédéric Grangié, Präsident von Chanel Uhren und Schmuck, sprach von einer Investition, die das Vertrauen in das langfristige Potenzial der Marke widerspiegelt.


„Das Produkt, das Produkt, das Produkt.“ — François-Paul Journe

Villa Turque, Le Corbusier, La Chaux-de-Fonds
Die Villa Turque in La Chaux-de-Fonds, von Le Corbusier entworfen und 1917 fertiggestellt, ist seit 1986 die „Maison EBEL“. Foto: A. Martinelli. © EBEL

Zu den Vermögenswerten, die den Besitzer wechseln, gehört die Villa Turque. Das Haus wurde von Anatole Schwob, einem Uhrenindustriellen aus La Chaux-de-Fonds, bei Charles-Édouard Jeanneret in Auftrag gegeben, der drei Jahre nach der Fertigstellung den Namen Le Corbusier annahm. EBEL kaufte es 1986, im Jahr seines 75-jährigen Bestehens, und restaurierte es.


Mehr dazu in der Mitteilung der Movado Group.


Mehr als ein Jahrhundert EBEL


EBEL wurde am 15. Juli 1911 in La Chaux-de-Fonds von Eugène Blum und seiner Frau Alice Lévy gegründet. Der Name ist ein Akronym: „Eugène Blum Et Lévy“. Die Aufgabenteilung stand von Anfang an fest: Eugène verantwortete die Technik, Alice die Ästhetik und die Gestaltung der Uhren.


Die ersten Auszeichnungen kamen früh. 1914 erhielt das Haus die Goldmedaille der Schweizerischen Landesausstellung in Bern für seine patentierten Ringuhren. 1925, auf der Internationalen Kunstgewerbeausstellung in Paris, die dem Art déco den Namen gab, wurde es mit einem Grand-Prix-Diplom für seine Haute-Joaillerie-Modelle geehrt.


Charles Blum, der Sohn der Gründer, trat 1929 in das Unternehmen ein und baute ein internationales Vertriebsnetz auf, das auch die Vereinigten Staaten umfasste. 1930 nahm EBEL an der ersten Basler Uhren- und Schmuckmesse teil. Über Jahrzehnte war die Firma auch Zulieferer: Eine eigene Einheit fertigte Uhrwerke für andere Marken.


Technischer Anspruch gehörte zur Identität des Hauses. 1935 setzte EBEL als erster Schweizer Hersteller das Western-Electric-System ein, den Vorläufer des Vibrografen und das erste Gerät zur Messung der Ganggenauigkeit von Uhrwerken. 1957 führte das Unternehmen die Contrôle Technique des Montres ein, eine Reihe interner Qualitätskontrollen.


Die große Expansion kam mit der dritten Generation. Pierre-Alain Blum, Enkel der Gründer, übernahm nach einer Laufbahn in den Vereinigten Staaten die Leitung. 1972 begann die Partnerschaft mit Cartier, für das EBEL Armbanduhren fertigte. 1977 kam die Sport Classic auf den Markt, mit integriertem Gehäuse und dem Armband aus wellenförmigen Gliedern, das als „Wave“ bekannt wurde. Es folgten der Sport Chronograph (1982), der Chronograph mit ewigem Kalender (1983), die Beluga (1985) und die Kollektion 1911 (1986).


In jenen Jahren war EBEL laut SJX Watches der größte Abnehmer der El-Primero-Werke von Zenith. Zwischen 1970 und 1988 stieg die Zahl der Beschäftigten von 40 auf 700, und der Umsatz überschritt in den 1980er-Jahren 150 Millionen Schweizer Franken. Die Marke wählte den Leitspruch „The Architects of Time“, kaufte 1986 die Villa Turque und eröffnete 1987 in London ihre erste eigene Boutique.


Bekannt wurde EBEL auch durch Sport und Kunst. Die Marke sponserte den Davis Cup und das European Masters im Golf in der Schweiz; zu ihren Botschaftern zählten die Tennisspieler Stefan Edberg, Boris Becker und Andre Agassi sowie die Golfer Bernhard Langer, Greg Norman und Colin Montgomerie. Verbunden war sie auch mit Leonard Bernstein, Barbara Hendricks, Madonna, John Malkovich und Dennis Hopper.


Die 1990er-Jahre kehrten den Trend um. Die Diversifizierung außerhalb der Uhrmacherei misslang, und 1994 wurde Investcorp Eigentümer der Marke. 1995 stellte EBEL noch das Kaliber 137 vor, ein Chronographenwerk für die Kollektion 1911, dem die Kaliber 139, 240 und 288 folgten. Pierre-Alain Blum schied 1996 aus, womit 85 Jahre Familienführung endeten. 1999 kaufte LVMH EBEL und Chaumet für 460 Millionen Dollar von Investcorp und kündigte im Dezember 2003 den Verkauf von EBEL an die Movado Group für 61,5 Millionen Schweizer Franken an.


EBEL in Daten


  • 1911: Gründung in La Chaux-de-Fonds durch Eugène Blum und Alice Lévy.

  • 1914: Goldmedaille an der Schweizerischen Landesausstellung in Bern.

  • 1925: Grand-Prix-Diplom an der Pariser Kunstgewerbeausstellung.

  • 1935: erster Schweizer Hersteller, der die Ganggenauigkeit mit dem Western-Electric-System misst.

  • 1972: Beginn der Uhrenfertigung für Cartier.

  • 1977: Lancierung der Sport Classic.

  • 1983: Chronograph mit ewigem Kalender.

  • 1986: Kollektion 1911 und Kauf der Villa Turque zum 75-jährigen Bestehen.

  • 1994: Investcorp übernimmt die Marke.

  • 1995: Kaliber 137.

  • 1999: LVMH kauft EBEL und Chaumet.

  • 2003: Verkauf an die Movado Group.

  • 2026: Vereinbarung über den Verkauf von 95 % an die Gruppe um Montres Journe.


Was auf dem Spiel steht


Der Preis ist der erste Punkt. Die 66,5 Millionen Dollar für 95 % bewerten EBEL mit rund 70 Millionen, nahe dem Betrag, den die Movado Group vor mehr als zwanzig Jahren bezahlt hat. In seiner am 8. Oktober veröffentlichten Analyse nennt SJX Watches die Transaktion eine Überraschung und hält fest, dass zwei Jahrzehnte von Relaunch-Versuchen der Marke ihre frühere Größe nicht zurückgegeben haben.


Die Zusammensetzung der Käufergruppe ist der zweite. Derselben Analyse zufolge bringt jede Partei eine Kompetenz ein: Chanel das Kapital, François-Paul Journe das uhrmacherische Wissen und Pierre Jacques das Management. Da Chanel bereits an Montres Journe beteiligt ist, verlängert der Kauf eine bestehende Allianz.


Offen bleibt, was die neuen Eigentümer mit EBEL vorhaben: Die Mitteilung spricht von einer nächsten Wachstumsphase, ohne Pläne zu Produkt, Positionierung oder Preis zu nennen. Das erste Signal kommt mit dem Vollzug der Transaktion und den ersten Entscheidungen von Pierre Jacques.

 
 
 

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