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Uhren der Dauerausstellung des Museu Calouste Gulbenkian

vor 6 Stunden
4 Min. Lesezeit

Umgeben vom Gulbenkian-Garten in Lissabon befindet sich eine der bedeutendsten Privatsammlungen der Welt, zu Lebzeiten zusammengetragen von dem Armenier Calouste Sarkis Gulbenkian, mit 6000 Objekten, ausgestellt in einem eigens für sie errichteten Gebäude. Unter dem gesamten Bestand des Museu Calouste Gulbenkian (MCG) befinden sich 7 Uhren und ein Barometer/Thermometer, die wir im Folgenden kennenlernen.



Regulator


Provenienz: Sammlung Polovtsoff; Sammlung Hodgskins. Von Calouste Gulbenkian beim Haus Duveen erworben, Paris, April 1924. Maße: H. 245 cm; B. 63 cm; T. 26 cm


© Foto 1 MCG, Fotos 2 und 3 IPR


„Das Gehäuse dieser Uhr, im Rocaille-Stil ausgeführt, ist ein bemerkenswertes Exemplar, nicht nur wegen der wunderschönen Marketeriearbeit mit floralen Motiven, sondern auch wegen des prunkvollen Dekors aus ziselierter und vergoldeter Bronze, aus dem als Bekrönung des Stücks eine zusammengesetzte Allegorie mit vollplastischen Figuren hervorsticht. Der obere Teil, der «Kopf», zeigt das emaillierte Zifferblatt mit drei Zeigern für Stunden, Minuten und Sekunden und umschließt das Uhrwerk; gleich darunter erlaubt ein Mittelteil die Bewegung des Pendels, das durch ein Rundfenster zu sehen ist; im unteren Teil laufen die Gewichte herab, die das Ganze antreiben.

Uhren dieser Art mit hohem Gehäuse und sehr langem Pendel nannte man wegen ihrer hohen Genauigkeit Regulatoren, da man andere Uhren nach ihnen stellen konnte. Bei dem hier gezeigten Exemplar passt sich die stark geschwungene Form perfekt den Erfordernissen des darin eingeschlossenen Werks an.“ © Museu Calouste Gulbenkian


Wanduhr – Jacques Caffieri, Jacques Lemazurier

  • Provenienz: Sammlung Rodolphe Kann. Von Calouste Gulbenkian beim Haus Duveen erworben, Paris, 6. Mai 1910.

  • Maße: H. 115 cm; B. 63 cm


© Foto 1 MCG, Fotos 2 und 3 IPR


„Ein rundes Zifferblatt aus reich verziertem Zellenschmelz und zwei ebenso sorgfältig in feiner Durchbrucharbeit gestaltete Zeiger sind der sichtbare Teil der Kunst des Uhrmachermeisters, der das Werk dieses bemerkenswerten Kunstwerks entworfen und ausgeführt hat. Die Einfassung schuf Jacques Caffieri – Sohn und Vater von Bildhauern und Bronzegießern –, der darin sein ganzes Talent zeigt, mit dem er sich in der Kunst der dekorativ auf Kunstgegenstände aufgebrachten Bronze mit Charles Cressent messen konnte.

Wie bei Letzterem spiegelt sein Stil noch oft eine starke Komponente des Régence-Stils wider, gut sichtbar an diesem Stück, bei dem die Symmetrie vorherrscht, obwohl die bekrönende Skulpturengruppe bereits die Rocaille-Tendenzen dieser Epoche zum Ausdruck bringt, die im ganzen Stück, vor allem aber in den beiden bekrönenden Kinderfiguren zu sehen sind, vollplastisch gearbeitet in einer Szene voller Anmut und Bewegung. Die Wanduhr, damals cartel d’applique genannt, zeichnet sich in ihrer Form durch die Reminiszenz an die Konsole aus, die anfangs Tischuhren trug, wenn sie an senkrechten Flächen angebracht wurden, und die sich in der unteren Verlängerung des Rahmens mit dreieckigem Abschluss zeigt.“ © Museu Calouste Gulbenkian




Astronomische Uhr – André-Charles Boulle, zugeschr.


  • Provenienz: Kardinal Pietro Ottoboni. Von Calouste Gulbenkian bei Duveen erworben, Paris, Januar 1922.

  • Maße: H. 100 cm; B. 21 cm



© Foto 1 MCG, übrige Fotos IPR


„Eine imposante Uhr, nicht nur wegen ihrer Größe, sondern auch wegen des monumentalen Charakters ihres skulpturalen Dekors, eines der Merkmale von Boulles Werk. Man nimmt an, dass sie ein Auftrag des Kardinals Pietro Ottoboni war, dessen Wappen und Kardinalsinsignien in der oberen Skulpturengruppe, einer Darstellung der Fama, zu sehen sind. Am Sockel der Uhr, der aus vier Pilastern besteht, sehen wir in einer Allegorie der Zeit Chronos, neben einem kleinen Amor ruhend. Diese Skulpturengruppe ruht auf einem Tuch mit einer gravierten Szene, in der dieser Papst, Alexander VIII., die jansenistischen Lehren verurteilt.

Das Gehäuse dieser Uhr ist aus Holz, mit Ebenholz und Messing auf Schildpattgrund marketiert, ein weiteres «Markenzeichen» der Boulle-Produktion. Die Qualität und Meisterschaft der Arbeit von André-Charles Boulle führten dazu, dass Ludwig XIV. ihn zum königlichen Kunstschreinermeister ernannte und er sich unter königlichem Schutz in den Galerien des Louvre niederließ, wo auch Jacques Thuret, Uhrmachermeister des Königs, arbeitete. Es ist eine astronomische Uhr, so genannt, weil sie ein hochpräzises Werk besitzt, das neben Stunden, Minuten und Sekunden weitere Informationen anzeigt, etwa das Datum, die Mondphasen, den Sonnenstand und auch die Tierkreiszeichen.“ © Museu Calouste Gulbenkian



Barometer-Thermometer

Claude-Siméon Passemant, Charles-Nicolas Dodin


Provenienz: Schloss Boughton Hall; Sammlung Mortimer L. Schiff. Von Calouste Gulbenkian über Hans Stibel erworben, Christie's, London, Juni 1938.

Maße: H. 100 cm; B. 21 cm


© Foto 1 MCG, übrige Fotos IPR


„Mess- und Präzisionsinstrumente waren im 18. Jahrhundert sehr begehrte Stücke, eine Frucht der wissenschaftlichen Fortschritte der Zeit, in einer Epoche, in der das Vertrauen in die geistigen Fähigkeiten des Menschen und die Macht der Vernunft enorme Bedeutung erlangten. Der König und der Hof blieben von dieser Tendenz nicht unberührt, nutzten sie zur Ausschmückung ihrer Salons und verliehen ihnen so auch den Rang von Kunstwerken.

Dieses Barometer-Thermometer stammt von Claude-Siméon Passemant, einem der größten Erfinder und Hersteller wissenschaftlicher Instrumente seiner Zeit. Die beiden Instrumente, Barometer und Thermometer, sind in ein Gehäuse aus ziselierter und vergoldeter Bronze eingelassen, verziert mit Bändern, Blumen, Früchten, Girlanden und Voluten. Zu diesem Dekor gehören außerdem drei Porzellanplaketten, signiert von Charles-Nicolas Dodin, einem bedeutenden Figurenmaler der Königlichen Manufaktur von Sèvres, der neben Services und Vasen zahlreiche Plaketten für die Verzierung von Möbeln und wissenschaftlichen Instrumenten schuf.

Die drei Plaketten zeigen Motive, die mit der Funktion des Stücks zusammenhängen. Die obere, ovale Plakette hat eine grüne Reserve mit goldenen Rahmungen und in der Mitte einen Amor auf einer Wolke, der ein Fernrohr hält. Auf der mittleren Plakette, mit derselben Rahmung, sehen wir einen Knaben in einer bukolischen Umgebung, der einen Zirkel und eine Armillarsphäre hält. Auf der unteren, kleineren Plakette ohne Reserve liegen auf einer Wolke ein Buch und verschiedene wissenschaftliche Instrumente. Das Buch ist auf einer Seite aufgeschlagen, auf der zu lesen ist: Connaissance des Temps.

Die emaillierten Zifferblätter der beiden Instrumente geben Auskunft über das Wetter.“ © Museu Calouste Gulbenkian



Weitere Uhren der Sammlung


Uhr Cercle Tournant

© Foto: IPR | Paris, um 1760-1770 | Bronze | Inv. 595

Tischuhr

Saint-Germain, Jean-Joseph de (Meister 1748) Paris, 18. Jahrhundert | Bronze | Inv. 2264

Uhr Cercle Tournant

Prieur, Jean-Louis (tätig 1765-1783), zugeschr. Paris, um 1766-1770 | Bronze | Inv. 2242

Tischuhr

Foullet, Antoine (Meister 1749) Paris, um 1785 | Bronze



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