top of page

Uhren mit doppelter Stundenskala

vor 13 Stunden
5 Min. Lesezeit

Serie: GROSSE KOMPLIKATIONEN



Uhr mit automatischen Stunden
Uhr mit automatischen Stunden

Was machen Uhren mit doppelter Stundenskala?


Diese Uhren besitzen zwei Skalen, die durch Fenster im Zifferblatt sichtbar sind: eine von 12h bis 23h und eine von 0h bis 11h.


So funktioniert es

Der Mechanismus hat zwei Zahlensätze:

  • Scheibe für 0h – 11h

  • Scheibe für 13h – 23h

Erreicht die Uhr 23h59, wechselt der Mechanismus die sichtbare Scheibe, sodass wieder die Nummerierung 0–11 erscheint.


Das bedeutet:

  • Es gibt ein drehbares Scheibensystem, das mit dem Fortschreiten der Stunden wechselt.

  • Der Wechsel erfolgt in manchen Fällen automatisch, in anderen von Hand

  • Es erfordert zusätzliche Mechanik im Gehäuse, was Bauhöhe und Komplexität erhöht.


Wahrscheinliche Ursprünge

Diese Art von Komplikation war in der industriellen Massenfertigung nicht verbreitet. Die bekannten Beispiele (vor allem Taschenuhren) finden sich:

  • In Versuchsstücken oder Prototypen innovativer Uhrmacher vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

  • In Taschenuhren mit besonderen Komplikationen für Ausstellungen oder Uhrmacherwettbewerbe, bei denen die Funktion nicht nur zweckmäßig war, sondern auch dazu dienen konnte, technisches Können zu zeigen.

  • Möglicherweise als Sonderanfertigungen für Eisenbahningenieure, Piloten oder Offiziere, die eine sofortige 24-Stunden-Ablesung wünschten, ohne das Zifferblatt optisch zu überladen.


Seltenheit und Sammeln

  • Äußerst selten: weit weniger verbreitet als feste Zifferblätter

  • Komplexität: erfordert ein zusätzliches Räderwerk und sorgfältig bemalte oder emaillierte Zahlenscheiben.

  • Wert: Sammler von Uhren mit mechanischen Komplikationen betrachten sie als echte Museumsstücke, besonders wenn der Mechanismus noch flüssig und präzise arbeitet.

  • Gefahr: Wegen ihrer Seltenheit besteht die Gefahr, sie mit modernen Umbauten oder Repliken zu verwechseln – eine fachkundige Prüfung von Werk und Scheiben ist unerlässlich.

Technische Merkmale


1. Allgemeiner Aufbau


a) Hauptwerk

  • Die Uhr behält das übliche mechanische 12-Stunden-Werk mit Stunden- und Minutenrad, Hemmung, Federhaus usw.

  • Der Stundenzeiger macht weiterhin zwei Umdrehungen pro Tag – der Unterschied ist, dass er nicht auf feste Zahlen auf dem Zifferblatt „zeigt“, sondern auf Fenster mit wechselnden Ziffern.


b) Satz nummerierter Scheiben

  • Zwei konzentrische Scheiben oder eine umkehrbare Scheibe mit zwei Zahlenreihen

  • Diese Scheiben sind indirekt mit dem Stundenrad verbunden und erhalten eine untersetzte Bewegung, um gleichmäßig vorzurücken.


2. Umschaltmechanismus (Wechsel der Zahlen)


Damit die Nummerierung um 12h (Mittag) und 24h (Mitternacht) die Reihe wechselt, ist ein System springender Scheiben nötig:


  1. Auslösenocken

    • Auf der Welle des Stundenrads sitzt ein Nocken mit zwei Erhebungen, die so angeordnet sind, dass sie genau um 13h und 24h wirken.

    • Erreicht die Erhebung die richtige Position, drückt sie einen kleinen Hebel.

  2. Umschalthebel

    • Dieser Hebel ist mit einem Umschaltrad verbunden, das die Zahlenscheibe um eine halbe Umdrehung (180°) dreht und die andere Zahlenreihe freigibt.

    • Die Bewegung ist schnell („Sprung“), damit der Übergang nicht auf halbem Weg zu sehen ist.

  3. Rastfeder

    • Eine Feder sorgt dafür, dass die Zahlenscheibe fest in der neuen Position sitzt, ausgerichtet auf die Fenster.


3. Präzise Ausrichtung

Die große Herausforderung dieser Komplikation ist die perfekte Ausrichtung:

  • Die Fenster im Zifferblatt sind unbeweglich und dort ausgeschnitten, wo normalerweise die Zahlen stünden.

  • Die Scheibe muss sich exakt drehen, damit jede Zahl mittig im jeweiligen Fenster erscheint.

  • Kleine Fehler durch Verschleiß oder Montage führen zu einer sichtbaren Fehlausrichtung.


4. Wartung und Empfindlichkeit

  • Das Scheiben- und Umschaltsystem verlangt eine sehr feine Schmierung und regelmäßige Reinigung, denn jede übermäßige Reibung kann den Wechsel verzögern oder verhindern.

  • Da es mehr bewegliche Teile gibt, steigt die Wahrscheinlichkeit von Defekten im Vergleich zu einem festen Zifferblatt.

  • Die Zahlenscheibe ist in der Regel bemalt oder emailliert – eine schlechte Restaurierung mindert den historischen Wert.


5. Vergleich mit anderen Komplikationen

Es ist ein Mechanismus, der mit den „springenden Stunden“ verwandt ist, die es bereits in Taschenuhren vom Ende des 19. Jahrhunderts gab, hier jedoch für eine Stundenanzeige auf zwei Skalen angepasst:

  • Er ersetzt die Zeiger nicht – diese sind weiterhin vorhanden.

  • Er ermöglicht die gleichzeitige Ablesung der aktuellen Uhrzeit und der Uhrzeit im 24h-Format, allerdings durch den physischen Wechsel der angezeigten Zahlen.


Fazit

Taschenuhren mit durch Fenster austauschbarer Nummerierung sind ein wenig bekanntes, aber faszinierendes Kapitel der mechanischen Uhrmacherei. Entwickelt, um eine klare Ablesung im 24-Stunden-Format zu bieten, bewahren sie eine dezente Eleganz und eine innere Technik von seltener Komplexität. Der Einfallsreichtum des Systems drehbarer Scheiben zeugt von der Kreativität und Präzision der Uhrmachermeister des frühen 20. Jahrhunderts.


Heute sind Originalexemplare in perfektem Erhaltungszustand – wie das hier beschriebene – echte Museumsstücke, begehrt bei Sammlern, die nicht nur ihren technischen Wert erkennen, sondern auch die Geschichte, die sie in sich tragen. In einer von der digitalen Zeitmessung beherrschten Welt erinnern uns diese Stücke daran, dass mechanische Innovation und funktionale Schönheit einst Seite an Seite gingen. Sie zu bewahren heißt, nicht nur einen Gegenstand zu bewahren, sondern auch die lebendige Erinnerung an eine Epoche des Erfindungsgeistes und der Raffinesse.


Technische Übersicht der Uhren mit dieser Komplikation

Merkmal

Beschreibung

Uhrentyp

Mechanische Taschenuhr mit Zifferblatt mit durch Fenster austauschbaren Stunden (cadran automatique).

Herstellungszeitraum

Etwa 1900–1930.

Wahrscheinliche Herkunft

Frankreich und Schweiz

Besondere Funktion

Automatischer Wechsel der Stundennummerierung von 0–11 auf 13–24, sichtbar durch runde Fenster im Zifferblatt.

Mechanismus

Mechanisches Werk mit Handaufzug, 12 Stunden, mit drehbarem Scheibensystem, das mit dem Stundenzeiger synchronisiert ist.

Wechselsystem

Auslösenocken mit zwei Erhebungen (12h und 24h), der einen Hebel betätigt, welcher die Zahlenscheibe um 180° dreht und die andere Zahlenreihe zeigt.

Gehäusematerial

Verchromtes Messing, Silber, Gold, je nach Exemplar).

Gehäusedurchmesser

(Maß in mm, zum Beispiel: +/- 50 mm).

Erhaltungszustand

Idealerweise ausgezeichnet – präziser Gang und originales, nicht nachgemaltes Zifferblatt.

Historische Verwendung

In der Regel im Eisenbahn- und Berufsgebrauch, wo das 24h-Format die Ablesung erleichterte und Verwechslungen zwischen AM und PM vermied.

Geschätzter Marktwert

1500 € – 3500 € (abhängig von Material, Erhaltungszustand, Provenienz und Nachfrage unter Sammlern).

Weitere Exemplare


Eigentum: Museu Bourgogne-Franche-ComtéBeispiele für Uhren mit automatischem Zifferblatt
Eigentum: Museu Bourgogne-Franche-ComtéBeispiele für Uhren mit automatischem Zifferblatt

Beispiele für Uhren mit zwei Stundenskalen


Warum gibt es so wenige Bilder dieser Uhren?


Einige Gründe für die Seltenheit von Bildbeispielen dieser Art:


  1. Äußerst begrenzte Produktion, vor allem bei Originalmodellen vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

  2. Geringe öffentliche Verbreitung: Viele Exemplare befinden sich in Privatsammlungen oder Museen und werden selten fotografiert.

  3. Verwechslung der Kategorien: Online werden sie häufig mit „Jump Hour“-Uhren verwechselt (bei denen die Stundenzahl in einem Fenster springt), was gezielte Suchen erschwert.

  4. Fehlende spezifische Katalogisierung: Es gibt keine großen Datenbanken, die diese Art von automatischem Scheibenmechanismus klar unterscheiden.




Technisches Datenblatt


- Taschenuhr vom Typ Lépine, Zifferblatt mit austauschbaren Stunden in Fenstern

- Funktionen: Stunden, Minuten, austauschbare Stunden

- Seriennummer: Keine

- Manufaktur: Anonym

- Komplikation: Doppelte Stundenskala

- Land: Frankreich

- Kaliber: Klassische Brückenbauweise

- Werkschutz: Staubdeckel aus Silber

- Hemmungstyp: Schweizer Ankerhemmung.

- Unruh: bimetallisch, temperaturkompensiert, mit Flachspirale

- Gangreserve: 36 Stunden

- Frequenz: 18 000 Ah

- Steine: 15

- Gehäusematerial: Silber

- Zifferblatt: Aus Silber, mit Fenstern für austauschbare Stunden, in sehr gutem Zustand

- Kleine Sekunde: Keine.

- Gehäusedurchmesser: 51,7mm

- Höhe: 15,3mm

- Gewicht: 96,54g

- Antrieb: Zugfeder, aufgezogen über die Krone bei 12 Uhr

- Zeiger: Breguet-Stil

- Ziffern: Arabisch für die Stunden in austauschbaren Fenstern mit der Nummerierung 0-11 und 12-23h. Arabisch für die Minuten in Fünferschritten und Indizes für die übrigen

- Glas: In bestem Zustand.

- Gehäusenummer: 43

- Gesamtbewertung: Uhr mit austauschbaren Stunden in Fenstern im Zifferblatt, in ausgezeichnetem Zustand.

- Aktueller Marktwert: 1300,00 bis 1500,00 €

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page