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Wie man eine Vintage-Uhr kauft

vor 2 Stunden
5 Min. Lesezeit
Chronograph Universal Genève Tri-Compax auf dem Tempo Passado

Ein Universal Genève Tri-Compax, eine der Uhren, die auf dem Tempo Passado zu sehen waren. Foto: IPR.


Am Samstag, dem 28. November, kehrt der Tempo Passado — die Messe für Vintage-Uhren — zu seiner 5. Ausgabe in das Lisboa Jupiter Hotel zurück. Auf den Tischen werden Uhren liegen, die 40, 60 oder 100 Jahre alt sind, und kaum eine ist heute noch so, wie sie die Manufaktur verlassen hat. Das ist kein Problem. Das Problem ist, nicht zu wissen, was man kauft. Dies ist der Leitfaden des IPR, um eine alte Uhr anzuschauen, bevor man für sie bezahlt.


Original, mit Serviceteilen oder zusammengesetzt?


Eine Uhr, die ein halbes Jahrhundert gelebt hat, hat Revisionen, Stöße, gesprungene Gläser und abgenutzte Kronen hinter sich. Teile zu ersetzen gehört zum Leben jeder Uhr. Für den Käufer zählt, welche Teile ersetzt wurden, warum und von wem.


  • Original: Zifferblatt, Zeiger, Gehäuse und Uhrwerk sind die ursprünglichen und passen zueinander.

  • Mit Serviceteilen: Bei einer Revision hat die Marke Zifferblatt, Zeiger oder Lünette durch neue Teile ersetzt. Sie sind echt, aber nicht original, und die Uhr ist weniger wert als ein Originalexemplar.

  • Redial: Das Zifferblatt wurde von Dritten neu lackiert oder neu bedruckt. Die Arbeit sollte gut sein, und das kann bei häufig getragenen Uhren sinnvoller sein als bei historischen, auktionswürdigen Uhren.

  • Relume: Die Leuchtmasse auf Zifferblatt oder Zeigern wurde erneuert.

  • Zusammengesetzt („Frankenstein“): Eine Uhr aus Teilen verschiedener Exemplare, die so angeboten wird, als hätte sie das Werk so verlassen.


Die Grenze zwischen einer ehrlichen Uhr und einem schlechten Geschäft liegt fast immer in der Beschreibung. Eine Uhr mit Service-Zifferblatt, als solche und zum richtigen Preis verkauft, ist ein legitimer Kauf. Dieselbe Uhr als „komplett original“ verkauft, ist es nicht.


Ein ersetztes Teil ist kein Mangel. Ein ersetztes Teil, das verschwiegen wird, schon.

Selbst große Auktionen sind nicht davor gefeit. 2021 wurde bei Phillips eine Omega Speedmaster Ref. 2915-1 für 3.115.500 Schweizer Franken verkauft, die sich später als Zusammenbau aus Omega-Teilen herausstellte, wie wir in „Ein Omega-Frankenstein, 3,2 Mio. € später“ (auf Portugiesisch) berichtet haben.


Das Zifferblatt: Hier liegt der größte Teil des Werts


Bei einer Vintage-Uhr ist das Zifferblatt oft das Teil, das den Preis am stärksten bestimmt. Es ist auch das Teil, das am häufigsten neu lackiert wird. Einige Warnsignale:


  • Ein makelloses Zifferblatt auf einer abgenutzten Uhr. Fünfzig Jahre hinterlassen Spuren: Ist das Gehäuse müde und das Zifferblatt wie neu, sollte man nach dem Grund fragen.

  • Dicke, schiefe, schlecht zentrierte oder zu nah am Rand gedruckte Schrift.

  • Logo, Schriftart oder Texte, die nicht mit dokumentierten Exemplaren derselben Referenz übereinstimmen.

  • Leuchtmasse auf den Zeigern mit anderer Farbe oder Alterung als auf den Indizes.


Die Aufschriften am unteren Rand des Zifferblatts helfen, es zu datieren. Bis Anfang der 1960er Jahre wurde Leuchtfarbe auf Radiumbasis verwendet, und viele Zifferblätter tragen nur „Swiss“. Darauf folgte Tritium: In der Schweiz wurde die Kennzeichnung mit „T“ ab 1964 Pflicht, daher „T Swiss T“ oder „Swiss T<25“. Ab Ende der 1990er Jahre wich Tritium nicht radioaktiven Materialien wie Super-LumiNova, und das „T“ verschwand.


Diese Aufschriften datieren das Zifferblatt, nicht die Uhr. Eine Uhr aus den 1950er Jahren mit „T Swiss T“ auf dem Zifferblatt hat fast sicher ein späteres Zifferblatt — oft ein Service-Zifferblatt.


Die Aufschrift am unteren Rand datiert das Zifferblatt, nicht die Uhr.

Ein praktischer Hinweis: Radium ist radioaktiv. Ein solches Zifferblatt wird nicht abgekratzt, nicht geschliffen und nicht zu Hause geöffnet.


Taschenuhren zum Verkauf an einem Stand des Tempo Passado 2023 in Lissabon

Taschenuhren zum Verkauf an einem der Stände des Tempo Passado 2023 in Lissabon. Foto: IPR.


Zeiger, Gehäuse und Krone


Zeiger lassen sich leicht austauschen und gehören deshalb zu den Teilen, die am häufigsten nicht zur Uhr gehören. Vergleichen Sie Form und Länge mit dokumentierten Exemplaren: Der Minutenzeiger sollte die Minuterie erreichen, der Stundenzeiger die Indizes.


Achten Sie beim Gehäuse auf Politur. Ein stark poliertes Gehäuse verliert seine scharfen Kanten, Fasen und die Form der Bandanstöße, und dieser Verlust lässt sich nicht rückgängig machen. Prüfen Sie auch, ob Referenz und Seriennummer, dort eingraviert, wo die Marke sie üblicherweise eingravierte, lesbar und mit dem Modell stimmig sind. Bei einer Golduhr suchen Sie nach den Punzen.


Eine ersetzte Krone, ein ersetztes Glas oder Armband sind bei einer alten Uhr normal und wirken sich kaum auf den Wert aus, solange sie nicht als original ausgegeben werden.


Edox Geoscope auf dem Tempo Passado

Eine Edox Geoscope auf dem Tempo Passado. Foto: IPR.


Das Uhrwerk


Bitten Sie darum, das Uhrwerk zu sehen. Prüfen Sie, ob das Kaliber zur Referenz passt, ob es von der Marke signiert ist, wo es das sein sollte, und ob es weder Rost noch Feuchtigkeitsspuren noch von schlecht geführten Schraubendrehern beschädigte Schrauben gibt.


Lassen Sie die Uhr vor Ihren Augen laufen. Ziehen Sie sie von Hand auf und achten Sie darauf, dass sich die Krone ohne harte Stellen dreht. Stellen Sie die Uhrzeit und, falls vorhanden, das Datum — aber nicht in der Nähe von Mitternacht, wie wir in unserem Leitfaden zur Zeitumstellung erklärt haben. Bewegen Sie eine Automatikuhr vorsichtig und prüfen Sie, ob sich der Rotor dreht. Starten, stoppen und nullen Sie einen Chronographen mehrmals.


Eine Uhr, die läuft, ist keine revidierte Uhr. Ein verschmutztes Werk mit eingetrockneten Ölen kann wochenlang laufen, während es sich innerlich abnutzt.


Papiere, Boxen und Archivauszüge


Originalbox und -papiere steigern den Wert, besonders wenn die Nummern mit denen der Uhr übereinstimmen. Prüfen Sie diese Übereinstimmung immer: Papiere und Boxen werden auch separat gehandelt.


Mehrere Marken — darunter Omega, Longines, Patek Philippe und Vacheron Constantin — stellen anhand der Seriennummer Archivauszüge aus. Sie nennen in der Regel Referenz, Kaliber, Datum und das Land, in das die Uhr geliefert wurde. Bedingungen, Preise und Fristen unterscheiden sich von Marke zu Marke und sollten auf der jeweiligen Website geprüft werden.


Ein Auszug bestätigt, dass die Nummer existiert und was die Manufaktur über sie verzeichnet hat. Er bestätigt nicht, dass Zifferblatt, Zeiger und Gehäuse vor Ihnen diejenigen sind, die mit dieser Nummer ausgeliefert wurden. Bei Omega etwa ist das angegebene Datum das der Auslieferung der kompletten Uhr, nicht das ihrer Herstellung.


Yema Worldtime auf dem Tempo Passado

Eine Yema Worldtime auf dem Tempo Passado. Foto: IPR.


Wasserdichtigkeit und Revision


Eine Taucheruhr aus den 1960er Jahren ist nicht mehr wasserdicht, was auch immer auf dem Zifferblatt steht. Dichtungen altern, und Glas und Krone können ersetzt worden sein. Lassen Sie die Dichtigkeit prüfen, bevor Sie mit ihr ins Wasser gehen.


Rechnen Sie eine Revision zum Preis hinzu. Bei vielen alten Uhren ist sie unvermeidlich, und bei Kalibern mit nicht mehr lieferbaren Teilen kann sie dauern, weil Teile gefunden oder angefertigt werden müssen.


Der Preis einer Vintage-Uhr ist das, was man dem Verkäufer zahlt, plus das, was man dem Uhrmacher zahlt.

Bei wem man kauft und was das Gesetz sagt


Vergleichen Sie vor dem Kauf mit abgeschlossenen Verkäufen derselben Referenz im selben Zustand. Ein Preis weit unter dem Markt ist selten Glück.


Es gibt eine Reihe von Regeln, die einzuhalten sind, wenn ein Händler verkauft. Zwischen Privatpersonen gilt diese Regelung nicht. Die Regeln haben wir in „Garantie und Gewährleistung in der Uhrmacherei — der wesentliche Rechtsrahmen“ erklärt.


Hebdomas-Uhr auf dem Tempo Passado

Eine Hebdomas-Uhr auf dem Tempo Passado. Foto: IPR.


Auf dem Tempo Passado


Der Tempo Passado findet am Samstag, dem 28. November, von 10 bis 18 Uhr im Lisboa Jupiter Hotel, Avenida da República, 46, in Lissabon statt.

Er steht Unternehmen und Privatpersonen offen, zum Kauf und Verkauf alter Uhren, Teile und Fournituren, Werkzeuge und anderer uhrmacherischer Objekte. Eintrittskarten für Besucher und Anmeldungen für Verkäufer gibt es auf der Website des IPR, Informationen zur Messe unter www.tempopassado.pt.


Nehmen Sie eine Lupe mit, stellen Sie Fragen und notieren Sie, was Ihnen der Verkäufer sagt. Auf einer Messe stehen Verkäufer und Uhr direkt vor Ihnen: der beste Moment zum Fragen. Für Restauratoren ist sie auch ein Teilemarkt — ein Zeiger, eine Krone oder ein Glas aus der Zeit können auf einem der Tische liegen.


Nach dem Kauf


Wenn Sie bereits eine Uhr gekauft haben oder einen Kauf erwägen, bringen Sie sie in die Werkstatt des IPR. Wir erstellen einen kostenlosen Kostenvoranschlag mit den festgestellten Problemen und einem Lösungsvorschlag. Zur Originalität geben wir nur eine Einschätzung ab: Eine Zertifizierung bietet das IPR nicht an.


Uhren werden von Montag bis Freitag, von 10 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr, in der Rua Alfredo da Silva, 13B, in Lissabon angenommen.

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